Skip to main content

Full text of "Meningitis cerebro-spinalis epidemica und Typhus oder Febris recurrens : Genickkrampf und Sibirische Menschenpest : in allgemein verständlicher Darstellung kurz beschrieben"

See other formats


Meningitis cerebro - spinalis epidemica 

urd 

Typhus oder J'ehris recurrens. 

Oenickkrampf 

% 

und 

Sibirische Menschenpest. 

I n 



allgemein verständlicher D 


kurz beschrieben 


von 


Dr. Wilhelm Beckh. 


ars 



Nürnberg, 1865. 

Verlag von J. A. Stein’s Buchhandlung 

( A. Kölln er.) 












jsoiiuyi)iq9 eilsiiiqa - oid eiao aftigiii naM 

.aiiöi': . r I 19 ho amlq^T 














't q ui js •« i i ‘i i 














• * f • rz 


. J t [K 






ys£: . I l. • !: : ;■ !Ü 1 * tu <■ i> \ f ■ • 











uji iiuij *>4 





















' 




li » < - • ■ : - * 

...» 

. 




... 









Druck von Bi elin# (Dietz) 









Die zwei gegenwärtig in Europa herrschenden Epi- 
demieen Meningitis und Typhus recurrens wurden 
durch Brochüren bayerischer Aerzte als eine und die- 
selbe Krankheit beschrieben, was natürlich viele Unrich- 
tigkeiten und falsche Auffassungen im Publikum verbreitete. 
Dies kurze Schriftehen soll in möglichst gedrängter Weise 
fern von allem gelehrt scheinenden Bombast und von nicht 
zur Sache gehörigen Dingen eine allgemein fassliche Be- 
schreibung der beiden sehr verschiedenen Krankheiten 
geben. 

Der Verfasser benützte hiebei theils eigene Anschau- 
ungen und Erfahrungen, theils ältere, neuere und neueste 
Mittheilungen gediegener Forscher und wissenschaftlicher 
Beobachter und hielt sich nur an feststehende Thatsachen 
' id authentische Berichte. 


lHlj’Uf<v £ (t 4T’40‘.) i J T - U J > - 1 
.. . x 


Digitized by the Internet Archive 

in 2016 


https://archive.org/details/b22312390 


Die Meningitis. 


Unter dem Namen von Meningitis cerebrospinalis 
epidemica oder epidemische Gehirn - und Rückenmarks- 
Hautentzündung haben wir seit 1837 und den folgenden 
Jahren eine Krankheitsform kennen gelernt, welche, wenn 
auch früher mehrfach beobachtet und beschrieben , doch erst 
in neuerer Zeit genauer untersucht und als selbstständige 
Krankheit gewürdigt wurde. Besonders war sie in Deutsch- 
land mehr aus der Literatur als aus eigener Anschauung 
den Aerzten bekannt, da zwar Frankreich (Bayonne , Ver- 
sailles, Paris, das Eisass etc.) im Beginne der vierziger 
Jahre , fast zu gleicher Zeit auch Italien und etwas später 
Nordamerika von der Krankheit heimgesucht wurde, Deutsch- 
land aber mit Ausnahme von einigen im Jahre 1851 zu 
Würzburg aufgetretenen, von Professor Rinecker beob- 
achteten Fällen, ganz verschont geblieben war. Während 
gegen Ende der vierziger Jahre die Epidemie in Frankreich, 
schon früher in Italien, erlischt, zeigt sie sich zu dieser 
Zeit in Dänemark, dem britischen Inselreich, kommt Mitte 
der fünfziger Jahre nach Schweden , tritt 1859 und 1860 in 
Norwegen auf und erscheint plötzlich Anfang des Winters 
1864 in Preussen, nämlich in Stettin, in Bromberg, in 
Schlesien u s. w. , und in Berlin, von wo aus alsbald aus- 
führlichere, wissenschaftliche Mittheilungen in den Blättern 


6 


i 


erschienen. Fast gleichzeitig mit diesen Berichten werden 
nun auch in Leipzig solche Fälle beobachtet, ebenso dann 
in Erlangen und in Nürnberg*), und die Krankheit scheint 
von Norden nach dem Süden fortschreiten zu wollen. Fragen 
wir nun, warum diese Krankheit sowohl bei dem grossen 
Publikum als bei den Aerzten ein so ungetheiltes Interesse 
erregt, so finden wir eine Menge von Eigenthümlichkeiten, 
wie sie wohl night leicht eine andere Epidemie vorher auf- 
weisen konnte. Diese Eigenthümlichkeiten aber sind: die 
Heftigkeit, die unmittelbar gefahrdrohenden 
Symptome, womit die Krankheit beginnt, die so sehr 
häufigen Todesfälle unter den davon Befallenen, 
Während dig Anzahl der Befallenen im Yerhältniss 
zu andern Epidemieen gine sehr geringe ist, ferner 
für die Wissenschaft der in allen Fällen so ganz gleiche, 
ausserdem §o sehr seltene Befund einer entzünd- 
lichen, eitrigen Affektion der Gehirn- und Rü- 
ckenmarks häute. 

> 1 * r ' f , dl" ) * * • 

Da dei; ajp.atpmische Befund ein nach den Meldungen 
von überall fygr vollständig gleicher ist, so ist es natürlich, 
dass auch die KranHheitszgichen überall dieselben sind und 
wenn wir die Symptome der ip Nürnberg vorgekommenen 
und noch vereinzelt verkommenden Erkrankungen aufzäh- 
len ^ gijf t}iess eherne von allen andern heimgesuchten 
Gregenjien^ 

Die Erkrankung beginnt immer ganz plötzlich und 
zwar stets mit den heftigsten Stirn.- und Kopfschmerzen, 
häufig auch sofort Nacken- und Kreuzschmerzen, dazu 
Brechen oder Brechneigung, Frost und Hitze, beschleunigter 
Ruls. des Nackens , des Rückens , des Kreuzes, 

besonders seitlich der Wirbelsäule entlang, sind die Kranken 
gegen leichten Druck se! ir 5 dazu kommt fast 

*) Auch von Rastatt und Umgebung liegen mir ganz mit den 

hiesigen gleichlautende Beschreibungen vor; ebenso von Ober- 
franken, üifittelfranken und Oberpfalz (Weiden). 


7 


stets eine Zusammenziehung der Nackenmuskeln , so dass 
der Kopf steif, nach rückwärts gezogen erscheint, was den 
blos ein Zeichen der Krankheit versinnlichenden , unrich- 
tigen Namen ^Genickkrampf a hervorrief. Die Steifig- 
keit erstreckt sich dann auf die ganze Rückenwirbelsäule, 
so dass man die Kranken beim Kopfe ganz gerade und 
steif aufheben kann und das Sitzen fast zur Unmöglichkeit 
erschwert ist. Das Gesicht ist im Anfang geröthet , ge- 
dossen , den mühsam aufgeschlagenen Augen ein blöder 
Ausdruck häufig aufgeprägt. Dazu treten dann häufig De- 
lirien, sehr heftige Krämpfe, krampfhaftes Aufschreien, all- 
gemeine Aufregung, um bald wieder einem schlafähnlichen 
Darniederliegen des ganzen Organismus Platz zu machen, 
einem bewusstlosen Fortvegetiren , aus dem die Kranken 
nur durch lautes Anschreien zu erwecken sind. Nach nicht 
selten vorkommenden kurzen , scheinbaren Besserungen 
wiederholt sich zugleich mit sichtbarer Abnahme der Kräfte 
die ganze Reihe der Symptome, um entweder so zum Tode 
zu führen oder unter allmählicher Abschwächung der ge- 
fahrdrohenden Zeichen zur langsamen Genesung zu führen. — 
Der Ausgang der Krankheit in den Tod ist leider ein sehr 
häufiger und zwar beträgt hier die Zahl der Befallenen bis 
zum 15. Mai 76*), davon gestorben 37. Es zeigt sich 
hiebei zur Evidenz die zweite Eigenthümlichkeit dieser Epi- 
pidemie. Die verhältnissmässig sehr geringe Anzahl von 
Befallenen, denn was sind innerhalb Jahresfrist — die er- 
sten Fälle hier zeigten sich Anfang des Sommers 1864 — 
von einer Bevölkerung von einigen 70000 Einwohnern 76 
Erkrankungen ! In dieser Art hat sich aber bisher überall 

*) Die von Dr. v. Grauvogl angezeigten Fälle sind hier ganz 
ausgeschlossen , da nach seiner Brochüre derselbe eine Menge 
anderer Erkrankungen unter „vulgo Genickkrampf“ mitbegreift. 
Hier sind blos Fälle aufgezählt, die nach gewissenhafter Aus- 
scheidung aller andern Krankheiten zweifellos sich als Gehirn- 
hautentzündung darstellten. 


8 


die Meningitis gezeigt , wie besonders die eingehenden 
Specialberichte der französchen Aerzte beweisen: eine ver- 
hältnissmässig zu andern Seuchen geringe Verbreitung, da- 
gegen eine sehr hohe Sterblichkeit, und zwar stirbt von 
den Betroffenen eine sehr grosse Anzahl gleich innerhalb 
der ersten 5 — 8 Tage. Gegen die Schnelligkeit des tödt- 
lichen Ausganges aber sticht die lange Dauer der Krankheit 
und Reconvalescenz im Falle günstigen Ausgangs eigen- 
tümlich ab Nur selten in leichten und frischen Fällen 
gelingt die Wiedergenesung rasch ohne Zwischenfälle, meist 
sind die Kranken noch lange von den mannichfachsten Be- 
schwerden heimgesucht; einige magern skeletartig ab, oder 
leiden an periodischen Kopfschmerzen, Gesichtskrämpfen 
u. s. w. ; bei andern beobachtet man lange Zeit Geistes- 
verwirrung, mit falschen Vorspiegelungen und Sinnestäusch- 
ungen ; wieder andere bleiben eine Weile taub, blind, steif 
und lahm an den Beinen; in manchen Fällen hemmen hart- 
näckiges Erbrechen und heftiges Abweichen trotz guten 
Appetits den Wiederersatz der Kräfte. Alle diese überein- 
stimmend von andern Ländern und Städten beschriebenen 
Krankheitseigenthümlichkeiten zeigten sich auch in hiesiger 
Stadt und Umgebung. 

Gehen wir nun zu dem Leichenbefund über , so er- 
klärt uns derselbe deutlich und klar, wie kaum bei einer 
andern Erkrankung, die sämmtlichen Symptome am leben- 
den Organismus und zeigt ebenfalls wieder eine merkwürdige 
Gleichheit an allen Orten , wo diese Epidemie herrschte. 
Wir könnten bei dieser Beschreibung den Berichten der 
französischen Aerzte, der italienischen, der dänischen, schwe- 
dischen , jetzt der preussischen oder denen der Erlanger 
folgen: es ist ebenso als wenn wir aus eigner Anschauung 
die hiesigen beschreiben. Ueberall spricht sich der eigent- 
liche pathologisch-anatomische Charakter der Krankheit mit 
Entschiedenheit aus und zwar besteht derselbe: in einer 
entzündlichen Affektion der innern weichen Ge- 


9 


hirn und Rückenmark umhüllenden Häute, welche 
Entzündung über Gehirn und Rückenmark mehr oder we- 
niger gleichmässig verbreitet und dadurch ausgezeichnet ist, 
dass sie in einer verhältnissmässig sehr kurzen Zeit, zu- 
weilen schon innerhalb weniger Stunden, eine massen- 
hafte auf die Häute aufgelagerte oder dieselben durch- 
setzende Ausschwitzung erzeugt, welche sehr rasch in 
Eiter übergeht. In Nürnberg war diese Ausschwitzung be- 
sonders an der Grundfläche des Gross- und Kleinhirns aus- 
gebreitet und zwar so, dass manche der von der Grund- 
fläche des Gehirns ausgehenden Nerven , wie der Sehnerv, 
der Gehörnerv, ordentlich wie in Eiter gebettet erscheinen, 
was wohl leicht nachfolgende Taubheit und Blindheit er- 
klärt. Das Rückenmark erschien meist seiner ganzen Länge 
nach von einer eiterigen Schicht umgeben und besonders 
die Endungen des Rückenmarks in der Lende von eiterigen 
Massen eingehüllt Dabei Gehirn und Mark selbst, beson- 
ders das erstere , meist sehr blutreich, vorzüglich aber 
bei den Fällen, wo die eiterige Ausschwitzung noch in 
geringerem Maasse vorhanden war. — Die anderen Leichen- 
erscheinungen, besonders in Milz und Leber, sowie den 
Unterleibsorganen, sind im Verhältniss zu dem Befund 
im Gehirn und Rückenmark ganz unbedeutend, beson- 
ders wenn die Erkrankung erst wenige Tage gedauert und 
also die epidemische Schädlichkeit allein auf den Organis- 
mus gewirkt hatte und nicht in Folge einer längeren Stö- 
rung in der Ernährung des Organismus auch folgerichtig 
andere Organe einigermaassen mitleiden mussten 

Bis hieher hatten wir es bei dieser Krankheit mit fest- 
stehenden Thatsachen, mit sicheren Ergebnissen umfassen- 
der Forschungen zu thun, jetzt kommen wir auf weniger 
erforschte Umstände. Das sind die Entstehungs - und Ver- 
breitungsursachen der Meningitis epidemica, der daraus er- 
sichtliche mögliche Schutz vor derselben (die Prophylaxe) 
und die Heilung. Der gewissenhafte Arzt gibt sich hiebei 


10 


keinen Phantasmen und schönlautenden Hirngespinnsten hin, 
sondern bespricht in ruhiger Darstellung und mit dem sichern 
Bewusstsein, dass wenn er wahrheitsgetreue Angaben macht, 
er am meisten zu künftigem Forschen die richtigen Mittel 
an die Hand giebt, den gegenwärtigen Stand dieser offenen 
Fragen. 

So müssen wir bekennen, dass, entgegen den be- 
kannten Entstehungs - und Yerbreitungs - Ursachen des 
Typhus oder Felms recurrens die Entstehung und Verbrei- 
tung der Meningitis eine noch unbekannte ist. Schlechte 
Lebensverhältnisse aller Art sind ihr natürlich oft will- 
kommene Brutstätte , doch hat sie ihren eigentlichen Ur- 
sprung weder in schlechter Nahrung oder schlechten Woh- 
nungen, denn sie befällt arm und reich, noch in menschen- 
überfüllten Räumen, denn ein und dieselbe Epidemie befällt 
an diesem Ort die Militär-, dort die Civijbevölkerung; sie 
herrscht in der Stadt und auf dem Lande, in feuchten und 
in trockenen Gegenden, ist, wenn auch mehr im Winter 
auftretend, doch auch im Sommer beobachtet, befällt 
Kinder, Jünglinge, Männer und Frauen, Greise weniger, 
Leidende und Kerngesunde , beschränkt sich aber dabei 
auf einen kleinen Bruehtheil der Bevölkerung , so dass 
neben ihr andere gewöhnlicher vorkommende Krankheiten 
gewiss oft mehr bezüglich der Zahl in den Vordergrund 
treten würden , wenn die Meningitis nicht ihre vielen so- 
fort in die Augen springenden gefahrbringenden Eigenthüm- 
lichkeiten hätte. — Dass aber diese Verbreitung keine 
grössere ist, das beruht zu unserem Glück darin, dass die 
Gehirn- und Rückenmarkshaut - Entzündung nicht conta- 
giös, sondern miasmatisch ist, das heisst, die Ursache 
derselben liegt in einer uns noch unbekannten in der Luft, 
in der Atmosphäre befindlichen Schädlichkeit, welche auf 
mehrere Personen zu gleicher Zeit einwirken kann , wird 
aber nicht von einem Erkrankten auf den andern 
übertragen. Wo dies — es war besonders hier sehr 


11 


selten — scheinbar stattfand, das heisst: in einer Familie 
mehrere Erkrankungen daran vorkamen, hat dies ent- 
schieden seinen Grund darin, dass bei gleichen oder 
ähnlichen körperlichen Verhältnissen die Schädlichkeit 
auch ähnlich oder gleich einwirken wird. Es ist diese 
nicht contagiöse , nicht direkt ansteckende Natur der Krank- 
heit sehr viel werth und der Bevölkerung gegenüber be- 
sonders zu betonen Aus dem Vorstehenden wird der 
nüchterne Beobachter sofort erkennen, dass zu einer Ver- 
hütung, zu einer wirksamen Prophylaxe, die beim Typhus 
recurrens sich in so ausgedehnter Weise anwenden lässt, 
bei dem „vulgo Genickkrampf x weniger Anhaltspunkte ge- 
geben sind • das einzige ist das überall richtige Prinzip, 
j eglichen Excess, al les auch s o n s t d e m Organismus 
Nachtheilige gewissenhaft zu vermeiden. 

Ist aber die Krankheit aufgetreten, so zeigen uns die 
gefahrdrohenden Symptome, zeigt uns der Leichenbefund, 
wie und wo wir den Feind zu bekämpfen haben , wie und 
wo wir die ausgleichende und heilende Kraft der Natur zu 
unterstützen haben. Die Blutüberfüllungen im Gehirn zeigen 
uns die Wichtigkeit der örtlichen Blutentziehungen durch 
Blutigel am Kopf, Schröpfköpfe in den Nacken, lehren uns 
die Kälte, die Eisblasen in Anwendung ziehen, die den 
Kranken selbst bald unentbehrlich werden; das verhütet 
oder erschwert wenigstens eine grössere Ausschwitzung der 
ergriffenen Gewebe , welche Eigenschaft auch der Queck- 
silbersalbeeinreibung zukommt. Die Eisblasen wirken dabei 
auffallend günstig gegen die Erscheinungen des Hirndrucks, 
der Bewusstlosigkeit, der Aufregung u. s. w. Mit grossem 
Vorth eil bedient man sich ferner gegen die oft furchtbaren 
Kopf- und Nackenschmerzen der M orp h iu m- Einspritzungen 
unter die Haut an den besonders schmerzhaften Stellen, sowie 
überhaupt der Opiate. Tritt grösserer Verfall der Kräfte bei 
langer Dauer der Krankheit ein, so muss man Chinin, Wein 
zu Hülfeziehen und kräftigend verfahren. Ausserdem gilt es 


12 


stets allen körperlichen Verrichtungen die gehörige Ueber- 
wachung angedeihen zu lassen. Ueberk aupt kann die Kunst 
des verständigen, umsichtigen, wissenschaftlichen Arztes viel 
leisten , wenn man auch leider keine specifischen , direkt 
diese Krankheit bekämpfenden Miltel besitzt; "die Grund- 
ursache ist unbekannt, also auch die gründliche 
Heilung. 

Wenn da und dort von unbedingt helfenden Mitteln 
die Rede ist, so bezieht sich deren Hülfe entweder auf an- 
dere mit ähnlichen Symptomen , z. B. dem so häufigen 
Kopfschmerz , auftretende leichte Erkrankungen , die von 
selbst oder bei geringer Hülfe vorübergegangen wären, oder 
hezieht sich auf die günstige Einwirkung bei den gefärlich 
scheinenden Symptomen der Erkrankung. Dabei müssen 
wir aber unbedingt noch vor Morphium, Opium u. s. w. 
die vorlreffliche Wirkung der Anwendung der Kälte 
auf den Kopf, insbesondere der Eisblasen hervorheben. 
Trotz alledem und alledem bleibt die Sterblichkeit bei der 
Wichtigkeit der Organe, welche von der Menin- 
gitis befallen werden, eine ganz enorme 
So betrug sie 1839 in Versailles . . 41 Proc von Hundert 

1840 in Strassburg . 59 

1841 in Aignes-Mortes 75 
1848 in Lille ... 65 
1941 im Königr Neapel 50 
1856 in Schweden. . 70 


77 


75 


77 


7 ) 


7 ) 


77 


77 


77 


77 


77 


77 


77 


1860 in Norwegen 


50 


77 


77 


77 


77 


77 


77 


Hier in Nürnberg, wie oben bereits bemerkt, von 76 Er- 
krankungen 37 Todesfälle. 

An der Hand der Wissenschaft wird es uns gelingen, 
die Ursache dieser verderblichen Krankheit noch näher zu 
erforschen und sie erfolgreicher zu bekämpfen. Gehen wir 
jetzt zu der uns Gottlob nicht so nahe berührenden, fälsch- 
lich so genannten „sibirischen Mensehenpest a über. 


Der Typhus recurrens. 


Allgemein weiss man, welche andere Gestalt oft Neuig- 
keiten bekommen, wenn sie als Gerücht von Mund zu Mund 
getragen , Städte und Länder durchziehn, wie das Gewöhn- 
liche schon zum Schrecklichen, das Aussergewöhnliche zum 
Ungeheuerlichen anschwillt. , So verhielt es sich auch mit 
den ersten Nachrichten über die in Russland und besonders 
in Petersburg ausgebrochene „sibirische Menschenpest tc . 
Die abenteuerlichsten Angaben über die ungeheure Ausbrei- 
tung und Tödtlichkeit , über das Wesen der Krankheit fan- 
den je toller desto eher Gehör, selbst manclifach unter 
Aerzten, wobei jedoch von Anfang an auffallen musste, 
dass bei allen Beschreibungen nie von den eigentlich charak- 
teristischen Pestbeulen und Drüsenanschwellungen die Rede 
war. Mit den letzten Wochen hat sich in dieser Beziehung- 
Vieles geklärt und es erscheint demnach diese Seuche nicht 
durch ihr unbekanntes W T e s e n , sondern durch die mas- 
senhaften Erkrankungen bei enormer An- 
steckungsfähigkeit, durch die grosse Anzahl der 1 ta- 
hingerafften von hohem Interesse. 

Denn die in Russland besonders aber in Petersburg 
herrschende Epidemie erweist sich deutlich als eine unge- 
mein verbreitete einfache Typhus recurrens- und gal- 
lige (biliöse) Typhus recurren s-Epidemie, (Re- 
lapsing-Fever der Engländer) neben der, wie fast constant in 


14 


den früheren Epidemien in London, Schottland, Irland und in 
Aegypten der Fleck - und Unterleibs-Typhus ebenso verheerend 
einhergeht. Ganz so wie Griesinger in seinem längst vor dem 
jetzigen Erscheinen dieser Epidemie erschienenen Lehrbuch der 
Infektionskrankheiten diese Erkrankung beschreibt, lauten die 
zuverlässigen und ausführlichen Mittheilungen der Petersbur- 
ger Spitalärzte Dr. Herrmann und Dr. Küttner und mehrerer 
Anderer. Hienach zeigt sich der eigenthümlicha Krankheits- 
Verlauf in zwei (selten mehr) succesi ven, durch einen 
längeren Nachlass der Erscheinungen von einander ge- 
schiedenen F i e b e r a n f ä 1 1 e n, deren spätere sich wie 
eine Wiedererholung ( Recidive , Relaps) des ersteren aus- 
nimmt ; am Ende des .Anfalls sinkt das Fieber rasch ab ; 
der am meisten und constantest befallene Theil des Orga- 
nismus ist die Milz, welche stark anschwillt, nächstdem 
die Gallen-Apparate. — Die Krankheit wird durch ein bis 
zwei slarke Fröste, häufiger leichte Fieberschauer eingelei- 
tet; Hinfälligkeit, Durst, Appetitlosigkeit, Erbrechen, Kopf- 
schmerz folgen. In Arm uud Beiuen häufig gleich im An- 
fang Schmerzen , Gefühl der Zerschlagenheit , vom drit- 
ten, vierten Tage an Auftreten einer leichten gelblichen 
Hautfärbung, Leib aufge trieben , Leber angeschwollen, Milz 
regelmässig vergrössert. Grosse Pulsfrequenz, kein Schlaf, 
öfters Delirien, keine Krämpfe oder nur selten. Dieser Zu- 
stand dauert (4—10) in Mittel 7 Tage, alsdann pflegt mit 
reichlichen Schweissen ein Abfall sämmtlicher Symptome 
zu erfolgen, es tritt allgemeines Wohlbefinden ein, nur mit 
dem Gefühl grosser Schwäche und zurückbleibender Blut- 
leere. — In 'diesem scheinbaren Zustand der Wiedergene- 
sung bleibt der Kranke 4 — 6 — 10 Tage, worauf, meist ganz 
unerwartet, der zweite Anfall hereinbricht; dieser pflegt 
schwächer zu sein als der erste, endigt nach 2 — 8 Tagen 
mit einer ähnlichen Krise und ist oft mit diesem zweiten 
Anfall die Krankheit abgeschlossen. Manchmal folgt ein 
dritter viel milderer Anfall, um dann die langsame Wieder- 


15 


genesung einzuleiten ; in den schwersten Fällen, jedoch sehr 
selten, tritt dagegen der Tod schon im ersten Anfall durch 
Herzlähmung und unter Erscheinungen von Blutzersetzung ein. 

Die Febris recurrens biliosa bietet im allgemeinen 
dieselben Symptome, nur mit verwaltender Betheiligung der 
Gallenapparate ; sie gibt sich meist schon von Anfang an 
durch eine heftigere Reizung des Magens und der Gallen- 
wege zu erkennen und unter den Erscheinungen der Ver- 
giftung des Bluts mit Gallenbestandtheilön, wie grosses Ver- 
fallensein , bewusstloses Hinsiechen , intensive Gelbsucht 
u s. w. ist der Zustand ein höchst bedenklicher, ohne ganz 
hoffnungslos zu sein. Das Charakteristische beider Formen 
der Krankheit sind , wie oben gesagt , die Relapse des Fie- 
bers. Wenn der erste Anfall nachgelassen , so folgt nach 
4-10 Tagen der zweite Anfall und derselbe kann durch 
kein Verhalten des Kranken, keine Arznei u. s w. verhütet 
werden. Neben dem Fieber ist das constanteste das grosse 
Verfallensein, die Muskelschmerzen in Arm und Bein, dazu 
die allgemeine Gelbsucht, die Vergrösserung von Milz und 
Leber. Die Menge der Befallenen ist eine ungemein grosse, 
dagegen die Sterblichkeit geringer als bei andern Formen 
des Typhus ; und zwar betrug die Sterblichkeit in den frühe- 
ren Epidemieen höchstens 6— 8, oft nur 3 — 4 Procente; in 
Petersburg ist sie höher, aber doch nur 10 Procente; dage- 
gen beträgt die Sterblichkeit bei dem Unterleibstyphus 
und dem T y p h us mit fleckigen Ausschlag, die ge- 
wöhnlich neben dem Typhus recurrens ein her gehrt, 12 bis 
14 Procente im Allgemeinen, in Petersburg selbst 16 bis 
18 Procente. 

Gehen wir zu den Leichenbefunden über, so bemerkt 
hier ausdrücklich Griesinger : „Hirn und Hirnhäute zeigen 

keine Veränderung“. Auch bei der Petersburger Epidemie 
findet sich blos meist eine stärkere, wässrige Durchtränkung 
des Gehirns, wie sie mehr bei allen, schweren, rasch tödten- 
den Gesammterkrankungen auf tritt. Dagegen ist die Schleim- 


haut des Magens und Dünndarms geschwellt, die Darmdrü- 
sen geschwellt, die Leber vergrössert, fettig entartet; die 
Milz durchgängigergriffen und zwar dies in gesundem Zu- 
stand 14 — 18 Lolli schwere Organ oft 4 — 6 Pfund schwer; 
die Nieren fast stets nahe ums doppelte vergrössert; das 
Blut, dick, dunkel, theerartig, ähnlich dem Blute der an 
Cholera Verstorbenen. — Gehen wir nun zu dea Entsteh- 
ungsursachen der Febris recurrens über, so finden wir die- 
selben in ungesunden örtlichen Verhältnissen, bei 
Miss wachs und Theuerung, bei hungernden in Schmutz und 
Elend, in schlechter Luft oder Kälte verkommenden Bevölke- 
rungen, so dass, w e n n ein Typhus diesen Namen verdient, 
die Febris recurrens den Namen „H ungertyp h u s“ be- 
ansprucht. So wird auch meistens das arme Volk von 
Febris recurrens , die wohlhabende Bevölkerung 
mehr von dem nebenher auftretenden Fleck - und Unterleibs- 
Typhus ergriffen. Aehnliche Verhältnisse bewirkten in Pe- 
tersburg das Auftreten des Typhus recurrens Die grosse 
Theuerung daselbst, die starke Kälte, die schlechten, feuch- 
ten — Petersburg ist von Kanälen durchzogen — überfüll- 
ten Arbeiter-Wohnungen, die schlechten Lebensmittel, das 
vielfach durch Mutterkorn vergiftete Brod , die üher alle 
Massen eingerissene Trunksucht bei miserablem Branntwein, 
der Genuss des stinkenden Kanalwassers gibt, genugsam 
Aufschluss über die Entstehung. Ist die Recurrens aber 
aufgetreten, dann sorgt sie selbst für weitere Ver- 
breitung, denn sie ist entschieden c o n t a g i ö s , d. h. 
direkt ansteckend, so dass ihr auch schon viele Aerzte 
zum Opfer fielen. Man kann sich unter den oben geschil- 
derten Verhältnissen denken, welche Ausdehnung die Re- 
currens , nachdem sie einmal aufgetreten, in Petersburg be- 
kommen musste. So betrug die Zahl der seit Beginn der 
Epidemie bis 1. März in Petersburg blos in den Civil- und 
Militärspitälern Behandelten : 

An Typhus 7097, an Recurrens 7G25 ! davon starben 


17 


an Typhus 1198, an Recurrens 836 Was die Behandlung 
der Recurrens betrifft, so hält, wie schon oben bemerkt, 
kein Mittel den zweiten Anfall zurück ; er gehört zum We- 
sen der Krankheit ; Blutentziehungen, Quecksil- 
bereinreibung eil sind hier absolut schädlich; dagegen 
wirken frische Luft, Reinlichkeit, Ruhe, leichte 
aber kräftigende Diät, dann Chinin vor Allem und 
Säuren, später Eisen und Wein äusserst günstig auf den 
glücklichen Verlauf. Bei grosser Aufregung kann Kälte, 
bei bedeutendem Verfallensein (Collapsus) können kalte Be- 
giessungen, Moschus, sonst starke Reizmittel noch vortreffliche 
Wirkung äussern. Viel beachtenswerther ist bei dieser 
Krankheit die Verhütung derselben und ist hier, entgegen der 
Meningitis, die P r o p h y laxe eine sehr w i r k s ame. Dazu 
gehört vor Allem, den erkrankten Menschen und den Orten, 
wo Erkrankungen vorgekommen, auszu weichen, dann frische 
Luft, gesunde trockene Wohnung, gute kräftige Nahrung 
für den Einzelnen ; für die Gesammtheit strenge Ueber- 
wachung der gelieferten Lebensmittel , stete Reinigung und 
Desinfection der Abzugsschläuche und Kanäle, der Spitäler 
und Krankenzimmer; da das Recurrens - Fieber gern Orte 
befällt, wo überhaupt Typhus und Wechselfieber stets einhei- 
misch ist, sind stehende Gewässer wo möglieh zu beseitigen, 
für gutes Trinkwasser zu sorgen. So kann das Auftre- 
ten sowohl , als die weitere Verbreitung dieser gefährlichen 
Krankheit vermieden werden. Gottlob haben wir weder je 
sonst in Nürnberg oder in Franken den Typhus recurrens 
beobachtet , noch ist jetzt hier ein einziger constatirter Fall 
vorgekommen , während natürlich gewöhnliche Typhen und 
Wechselfiebererkrankungen ziemlich häufig zu beobachten sind 
und wohl immer vereinzelt Vorkommen. Wir glauben auch, 
dass , da das Typhus - Gift mehr e n d e m i sch, d. h. an 
den Orten wo es durch Verfaulungsprocesse erzeugt wird, 
wirkt, bei geeigneten gesundheitspolizeilichen Maassregeln nie 
eine verheerde TypRus seuche bei uns Platz greifen wird. 

2 


18 


Etwas Anderes ist es mit dem eigentümlichen, Berge, Flüsse und 
Meere überschreitenden, glücklicherweise aber nur in Wenigen 
haftenbleibenden schädlichen Stoff, der die Mengitis erzeugt, 
und so kommen wir nochmal auf dieselbe zurück, indem wir 
das Charakteristische beider Krankheiten neben einander stellen. 


Zusammenstellung 

der 


beiden Epidemieen. 


Meningitis cerepro-spinalis 
epidemica. 


Typhus oder Febris recur- 
rens. 


Entstehun 

Unbekannte, in der 
Luft befindliche Schäd- 
lichkeiten und abnorme 
atmosphärische Verhältnisse. 
Oertliche Schädlichkeiten 
im Ganzen und Grossen für 
Entstehung der Krankheit 
einerlei. Der Krankheitsstoff 
sucht sich als besonderen An- | 
griffs-Punkt — wenn man so j 
sagen darf — Gehirn - und 
Rückenmarkshäute. 


gsursache: 

Bestimmte örtliche 
Schädlichkeiten , Sumpfluft, 
Schmutz , schlechte aus auf- 
gelösten Verwesungsproduk- 
ten sich entwickelnde Dünste, 
die den durch ungeeignete und 
ungesunde Nahrung verkom- 
menen Organismen doppelt 
schädlich sind ; daraus Vergif- 
tung der Säfte des Organismus, 
des Blutes und Erkrankung 
der hauptsächlich blutberei- 
tenden Organe Milz, Le- 
ber etc. 


19 


Meningitis. | Febris recurrens. 

Verbreit ungsursachen: 


Dieselben, wie die Ent- 
stehungsursachen • die Krank- 
heit bleibt überall auf w e- 
n i g e Fälle beschränkt. 
Die Krankheit ist eine mias- 
matische. 


Für diese vergiftenden 
Schädlichkeiten wird der 
Hauptträger der erkrankte 
menschliche Körper, der den 
Stoff leicht auf andere Men- 
schen überträgt und ihn den 
Räumen und Gegenständen, 
die ihn umgeben mittheilt. 
Die Krankheit ist c o n t a g i ö s, 

| daher die Erkrankungen 
massenhaft. 


Vorläufer der Krankheit: 

Durchaus keine ; die Wird am häufigsten durch 
Krankheit tritt sofort mit leichte Fieberschauer einge- 
aller ihrer Wucht ganz uner- leitet , denen erst dann stär- 
wartet auf. I kere Fröste u. s. w. folgen. 


H a u p t s y 
sind hier Erscheinungen von 
Seite des Gehirns, (»enick- 
krampf, Steifigkeit des 
Rückgrats, Convulsio- 
n e n, Bewusstlosigkeit, 
intensive Kopf-, Nacken- 
und Rückenschmerzen, 
oft Taubheit, Lähmungen 
u. s. w. 


m p t o m e : 

Hier die Erscheinungen 
von Seite der Unterleibsor- 
gane, Milz, Leber etc., daher 
Gelbsucht, Brechen, 
Diarrhoen, fast nie Con- 
vulsionen , selten Bewusstlo- 
sigkeit, nie Genickkrampf, 
dagegen besonders charakte- 
ristisch die durch mehr- 
tägige Besserung der 
Erscheinungen unterbro- 
chenen Fieb eranfälle, 
daher der Name : Febris recur- 
rens, wiederkehrendes Fieber. 

2 * 


20 


Febris recurrens. 

Ausgänge: 


Meningitis. 

Sehr häufig der Tod; 
wenn Genesung: sehr lang- 
wierige, von den schlimmsten 
Zwischenfällen begleitete Wie- 
derherstellung 


Meist Genesung; 
Sterbefälle in den schwersten 
Epidemieen bis 10 pCt. vom 
Hundert. Wiederherstellung : 
auch langsam , doch rascher 
wie bei Meningitis. Die ver- 
dorbene Säftemasse 
regenerirt sich eher 
als die dickeitrigen Auflage- 
rungen auf den Gehirnhäuten 
aufgesogen werden, wie bei 
Meningitis. 


Leichenbefund: 


Das Charakteri- 
stische: der bereits mehr- 
fach erwähnte Befund in Ge- 
hirn- und Rückenmarks- 
häuten Milz, Leber und 

\ 

Blut geben hier nicht mehr, 
wie bei andern, gewöhnlichen 
Sektionen. 


Charakteristisch : die enorm 
ver grösser te Milz, die 
Veränderungen in den 
andern Unterleibsor- 
ganen, die veränderte 
Beschaffenheit des 
Blutes. 

Gehirn und Rückenmark 
von eitrigen Ausschwitzungen 
ganz frei. 


Verhütungsweise: 


Da die Entstehungsursa- Hier die Prophylaxe in der 
chen unbekannt, eine sehr oben ausführlich beschriebenen 
problematische. Weise sehr wirksam. 


21 


Heilunffsweise: 


Sofort kalte, am besten 

i 

Eis Umschläge auf den 
Kopf, örtliche Blutent- 
ziehungen, Morphiumein- 
spritzungen unter die Haut, 
und wie oben das Weitere 
angegeben. 


Sofortige I s o 1 i r u n g in 
möglichst reine Luft, Chi- 
nin, Säuren, durchaus k ei n e 
Blutentziehungen. 


Das mögen in Kurzem die Grundzüge der beiden, 
wie jeder wohl sieht, sehr verschiedenen Epidemieen sein 
und somit unsre Aufgabe, eine wahrheitsgetreue Schilderung 
derselben zu geben, zu Ende Vielleicht legt Mancher, der 
gern besonders gegen den V) Genickkrampf u wirksame Verhü- 
tungs- oder Heilungs- Mittel erfahren hätte, dies Büchlein 
unbefriedigt aus der Hand; der möge denn, wie auch sonst, 
wenn ihn Kopfweh befällt, kalte Umschläge anwenden, bei 
Magenerscheinungen Brausepulver oder Sodawasser zu sich 
nehmen, bei der so häufigen Steifheit der Halsmuskeln in 
Folge von plötzlich acquirirtem Rheumatismus erprobte Haus- 
mittel gebrauchen, bei Nervenschmerzen der Stirne, des Ge- 
sichts etc. Morphiumeinspritzungen anwenden lassen, und wir 
sind überzeugt, dass damit 1000 „vulgo Genickkrämpfe“ in 
ihren ersten Anfängen schon erstickt und nach wenigen 
Stunden geheilt sind. Tritt aber wirklich die Krankheit mit 
ihren schweren gefahrdroh end e n Zeichen auf, und das 
thut eben diese Krankheit, wenn sie’s wirklich ist, lei- 
der sofort, dann Kälte, w 7 o möglich Eis auf den Kopf 
bis der Arzt herbeigeeilt ist. 

Was die Febris recurrens betrifft, so wurden zwar 
Wechselfieb er, Typhus, äusserst heftige intermit- 
tirende Nervenschmerzen mehrfach hier beobachtet, 
doch kein einziger Fall von Febris recurrens, während der 
ganzen Reihe der Sitzungen des hiesigen ärztlichen Vereins, 
der in diesem Jahre besonders die Besprechung und Er- 


22 


forschung der Meningitis - Epidemie zu seiner Aufgabe sich 
gemacht hat, wir wiederholen noch ein Mal kein einziger 
Typhus recurrens - Fall angezeigt . 

Die Febris recurrens wird es wohl auch gelin- 
gen stets fern zu halten; das möge die Fürsorge der Väter 
der Stadt sein, die ja unermüdlich durch neue Wasserleitungen, 
durch Durchbrechen und theil weises Abtragen der Stadtmauer, 
durch Erbauung gesunder Wohnungen , durch strengere 
Ueberwachuim' der Victualien auf die Gesundheit der Stadt 

O 

bedacht sind. Die andere, die geheimnissvolle Meningitis, 
schickt sich an, uns zu verlassen: möge der unheimliche 
Gast nie wiederkehren, und die Gegenden, die er jetzt auf- 
sucht, gnädiger behandeln. 

Hoffentlich bringt uns die Zeit und die mit der Zeit 
fortschreitende Wissenschaft mit der Kunde der Entstehungs- 
ursachen auch die Grundprincipien ihrer Verhütung. 


Verlag von J. A. Stein’s Buchhandlung (Ad. Köllner) 

in Nürnberg. 

Birkmeyer, I)r. J. M. , Ernst und Scherz aus der Mappe eines 
Arztes. 8. 1860. 1 Jl. 60 kr. oder 26 Ngr. 

Bewald, Geschichte und Geographie von Bayern nebst einer 
Karte dieses Landes. Für deutsche Schulen. 15. umgearbeitete 
Auflage. 8. 1864. 6 kr. oder 2 Ngr. 

Encyklika, die päbstliche, vom 8 Dezember 1834 und die Prote- 
stanten in Bayern. Eine Zuschrift an die bayerische Ständever- 
sammlung von einem Protestanten. 8. 1865. 20 kr. oder 6 Ngr. 

Geissler, J., Billard - Regeln. Lithographie. Imp.-Format mit 
Zeiger und Tafel. 1865. 2 fl. 24 kr. oder 1 Rthl. 12 Ngr. 

= , beim Billard - Spiel. Lithographie. Royal - Format. 

1865. 24 kr. oder 772 Ngr. 

Hausmann, K. Fr., alphabetische Zusammenstellung der nach 
der allerhöchsten Verordnung vom 29. Juli 1863 und dem Polizei- 
strafgesetzbuche über den Rausirhandel, den Betrieb der Wan- 
dergewerbe und der Handelsreisenden im Königreiche Bavern 
diesseits des Rheins geltenden Bestimmungen, nebst Abdruck 
dieser Verordnung und einem vollständigen Verzeichniss der 
freien Gewerbe und Erwerbsarten. 16. 1863. 54 kr. oder 

16 Ngr. 

, Anhang- zu Obigem. 1865. 6 kr. oder 2 Ngr. 

Hopf, Dr. G. W.j die Handelsschule in Nürnberg. Mittheilungen 
an A eitern , welche ihre Söhne dieser Anstalt übergeben wollen. 
2. Auflage. 8. 1860. 12 kr. oder 4 Ngr. 

Loclmer, G. W., der Stadt Nürnberg Entstehung und' erste Ge- 
schichte. 8. 1853. 9 kr. oder 2 Ngr. 

Marx, L. W., Geschichte der Reichsstadt Nürnberg. 2. Aull. 
8. 1861. 1 fl. 30 kr. oder 26 Ngr. 

Norica oder Nürnbergs Denkwürdigkeiten von Freiherrn von E. 
Elegant gebunden. 16. 1854. 1 11. oder 20 Ngr. 

Quitzmann, Dr. E. A., über Sanitätscompagnieeu und militäri- 
sche Krankentransporte. 16. 1864. 40 kr. oder 12 Ngr. 

Solger, E. , Klinschor. Ein Gedicht. 12. 1864. 1 fl. 24 kr. 

oder 25 Ngr. 

Walpurg, K., das Weihnachtsfest der Nieblinger oder der Kar- 
funkel. Romantisches Schauspiel in fünf Aufzügen. 12. 1865. 

54 kr. oder 16 Ngr. 






j> ■ ty { .5 *1 . l ’.i it'l ■ -t L . f i ( >if . •'» 

' 

* 

K< 

v . 


• 1 » » 

♦J 

' 








■ 




• • * 

. 

' 

' .vjVL < ■ ; 


' -